Louisiana Red
 
 
 
Zwischen 1990 und 2004 trommelte ich auf 7 Tourneen in Louisiana Reds Swiss-Tour-Band. Mit dabei der vorzügliche Harpplayer Little J.C., alias Jean Claude Bovard, am Bass Adi Tosetto (er brachte mich zu dieser Band – ewiger Dank) später abgelöst von Gary Coleman. Bei einigen Shows spielte auch Shiver Schafer an der Gitarre mit. Eine Tour führte 1996 quer durch Frankreich, zudem spielten wir ein paar Gigs in Oesterreich. Das Ganze wurde jeweils von Christoph «Mr. Frog» Müller professionell organisiert. Jeden Abend ein Konzert an einem andern Ort, so habe ich mir das Musikerleben schon immer vorgestellt. Für mich war jede Tour ein unvergessliches Highlight. Und dazu die Riesenehre, mit dem Giant of Blues zu spielen. Der Mann hatte noch Muddy Waters, John Lee Hooker („Uncle John“, wie er ihn nannte) gekannt. Louisiana Red gilt als einer der wichtigen Bluesmusiker. Wenn er jeweils allein mit seiner Dobro die Show eröffnete, hätte man meinen können, Robert Johnson sei auferstanden. Dann kündete er uns als The Monotones und mich als «Marty Collins - the best Rockdrummer of the world» an.Der Mann hatte Humor. Er nannte mich «One Side Matt». Das kam so: Ich nahm mit meinem Walkman diverse Konzerte auf, stellte das Gerät jeweils neben das Mischpult und bat den Mischer, in der Pause die Kassette zu wenden – was dieser prompt zu vergessen pflegte. Anderntags im Tourbus auf der Fahrt zum nächsten Gig habe ich die Kassette eingeschoben und Red döste neben mir – das Konzert vom Vorabend lauschend – zufrieden vor sich hin. Plötzlich zack – fertig Musik. Ich wendete die Kassette, aber kein Ton ertönte mehr. Red blickte auf und brummte unwillig vor sich hin. Dasselbe wiederholte sich auf der Anreise zum nächsten Gig: Red hob seinen Kopf, schaute mich an und knurrte:
 
«I gonna call you One Side Matt.»